Große Darmstädter Ausgabe vollständig in 15 Bänden erschienen

Zu Band 5/I: Für Wedekinds Erzählprosa lassen sich drei markante Schaffensphasen abgrenzen: von 1885 bis 1894, von 1895 bis 1898 und von 1899 bis 1918. Nur die Jahre von 1895 bis 1898 standen im Zeichen kontinuierlicher Publikationen; die wichtigsten wurden neben Gedichten und drei Tanzpantomimen in die erste Werkauswahl „Die Fürstin Russalka“ aufgenommen. Eine weitere Sammelausgabe von 1906 beschränkte sich auf die Erzählprosa aus „Die Fürstin Russalka“, erweitert um „Die Schutzimpfung“, und erhielt mit „Feuerwerk“ einen neuen Titel. Für die 2. Auflage von 1911 wurde den Erzählungen ein Essay „Über Erotik“ vorangestellt; er markiert das den Erzählungen gemeinsame Thema von Liebe und Sexualität in den Geschlechterbeziehungen.

Erstmals vollständig sind auch Wedekinds Romanprojekte ediert. Sein Fragment gebliebener utopische Roman, 1903 veröffentlicht unter dem Titel „Mine-Haha. Oder über die körperliche Erziehung der jungen Mädchen. Aus Helene Engels schriftlichem Nachlass, herausgegeben von Frank Wedekind“, durchlief seit 1895 mehrere Arbeitsetappen, bevor sich sein Autor zur Publikation in dieser Form entschloss. Voraus gingen diesem Werk Aufzeichnungen unter dem Titel „Eden“ (1890 bis 1892 entstanden), die Pläne und Notizen zu einem erzählerischen Werk betreffen. In diesem Exposé ist der Grundriss einer neuen Gesellschaftsordnung, basierend auf der freien Liebe, entworfen. Im Jahr 1906 beschäftigte sich Wedekind unter dem Arbeitstitel „Die große Liebe“ mit dieser Thematik erneut. Die letzten Aufzeichnungen dazu entstanden in den Jahren 1911 bis 1913.

Zu Band 5/II-III: Enthalten sind in den Teilbänden 5/II-III die „Vermischten Schriften“ des Autors zusammen mit einem ausführlichen Kommentar. Enthalten sind in ihnen seine zu Lebzeiten erschienenen Essays, Aphorismen, Offenen Briefe und Antworten auf Umfragen, seine Erörterungen und Notizen aus dem Nachlass. Die aus dem Nachlass neu herausgegebenen Texte sind für die Forschung unentbehrlich, da sie neue Wege zum Verständnis der intellektuellen Intentionen des Autors erschließen können. Sie ermöglichen in ihrem Status nascendi des Entwerfens und Verwerfens Einsicht darin, wodurch seine ästhetische, politische und moralische Opposition als Literat motiviert wurde; sie helfen das Vorurteil korrigieren, er sei bloß ein Agent Provocateur in literaricis gewesen.

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