Vortrag von Dr. Yvonne Wolf (Universität Mainz)

Die Luise-Büchner-Gesellschaft und die Frank Wedekind-Gesellschaft laden ein ins Literaturhaus Darmstadt. Freitag, 3. Juni, 19 Uhr 30

Dr. Yvonne Wolf macht uns mit dem vielfach als sehr merkwürdig empfundenen Erziehungsroman Frank Wedekinds „Mine-Haha“bekannt, den der Autor in Anspielung auf Thomas Morus berühmtes Werk eine „Utopia“ nannte. Wedekinds Titel erinnert zugleich an Jean Jaques Rousseaus wirkungsgeschichtlich erfolgreichesTraktat „Emile oder Über die Erziehung“. Wedekinds Erzählung bezieht sich inhaltlich auch auf die feministische Streitschrift „Die Gleichstellung der Geschlechter und die Reform der Jugenderziehung“ (1888) der Frauenrechtlerin Irma von Troll-Borostyáni. Hier wie bei Wedekind wird thematisiert, wohin es sozialpolitisch führt, wenn der Staat von Anfang an jenseits der Familie die Erziehung der Jugendlichen organisiert und lenkt. Im Gegensatz zur Absicht Troll-Borostyánis, mittels Aufklärung eine staatliche Reform der Jugenderziehung durchzusetzen, bedient Wedekind das Genre der literarischen Utopie und damit einen literarischen Diskurs. Warum Wedekind ‚nur‘ erzählt und auf welche Weise er erzählen lässt, davon erzählt wiederum spannend Yvonne Wolf, indem sie die den Roman kennzeichnende „Erzählerische Unzuverlässigkeit“ seines Erzählers und seiner Erzählerinnen zum zentralen Gegenstand ihres Vortrags macht.

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